Mein guter Patek schüttelte nur den Kopf. „Könnse nich drauf reiten! Is Zugpferrd!“
Da stand ich nun in der schönen altmodischen Reiterkluft, die ich im Haus in einer alten Wäschetruhe gefunden hatte. Der Stall war nicht sonderlich groß, mit einer kleinen Sattelkammer und einem Boxengang zu zwei Boxen. Den braucht man, wenn das Wetter schlecht ist, damit man das Pferd im Trockenen putzen kann. Eigentlich haben die Boxen auch eine Tür direkt nach draußen, wo man sie auch anbinden oder einfach frei auf die Obstwiese laufen lassen kann.
(Tipp von mir aus Erfahrung: Man sollte Tiere nicht zu lange auf Obstwiesen lassen. Wenn das Fallobst faulig wird, werden sie entweder beschwipst oder krank. Beides ist natürlich nicht gut und eine Kolik ist sehr gefährlich!)
Aber weiter zu meinen ersten Erlebnissen als Reiterin. Ich ließ mich von Patek nicht beirren. So ein kräftiges Pferd würde mich doch tragen können! Welcher von den vielen Sätteln könnte wohl auf meinen großen Anton passen?
Ich nahm den größten Sattel, der leider auch der schwerste war. Und eine Trense brauchte ich auch. Ich nahm die sauberste und am wenigsten verwendete. Patek war zur Stelle, als ich unter dem Gewicht taumelte. Er grummelte und nahm mir den Sattel ab.
Ich legte den Sattel auf Anton und band die Trense um, während Anton ganz ruhig da stand und uns betrachtete. Er schnaubte leise und legte seine Nase in meine Hand. Ich war wieder ganz verzaubert und stand nur da und sah Anton verliebt an.

Patek hantierte am Sattelgurt und erklärte mir, dass ich den nochmal nachziehen müsste, wenn das „Pferrd“ ein paar Minuten gelaufen wäre. „Da kommt dann Luft raus aus’m Bauch.“
Wovon sprach der Mann? Für mich war die nächste Aufgabe auf das Pferd zu klettern. Mit dem Steigbügel war es schwer, aber ich schaffte es beim dritten Versuch! Ich war oben! Patek führte Anton an der Trense hinaus aus dem Stall. Dann gab er die Zügel frei und haute Anton leicht aufs Hinterteil. Anton ließ den Schweif einmal kreisen, das war ein lustiger Luftzug in meinem Rücken, und stapfte langsam über die brache Wiese. Es war ja immer noch Februar! Eine Schneedecke lag über meiner Welt.

Es war so wunderschön! Von Antons Rücken aus sah alles nochmal viel schöner aus. Der Weg in die Weite war frei! Das war schon ein tolles Gefühl. Und es lief gar nicht mal so schlecht, wie ich fand. Mein braves Pferd machte es mir auch ziemlich leicht fand ich. In langsamen Schritt ging es über die Obstwiese auf den verschneiten Wald zu. Es stimmt: Vom Rücken eines Pferdes sieht die Welt ganz anders aus. In meiner Begeisterung vergaß ich völlig die Zeit.
Aber hoppla! Langsam kippte ich zur Seite, der Sattel rutschte um Antons großen Leib. Ich konnte nicht anders als mich fallen zu lassen. Doch das war nicht schlimm, denn Anton blieb einfach ganz ruhig stehen, drehte seinen Kopf mit der langen schwarzen Mähne zu mir und sah mir zu, wie ich auf den Boden fiel. Ich war über und über mit Schnee bedeckt und dann fing es auch noch an wieder zu schneien.
Ich kämpfte mich aus dem Schnee, schob den Sattel so gut es ging auf seine alte Position und zog den Sattelgut fest. Für heute reichte es! Ich brachte Anton zurück in sein Zuhause und ging selber mit erhobenem Kopf an Patek vorbei in mein Zuhause.
Dort ließ ich mir ein warmes Bad ein. Ich wählte das Badesalz mit der Aufschrift „Reise in die Südsee“ und stellte ein Glas meines sommerlichsten Rosés auf den Badewannenrand.
Ach Februar, es tut mir leid für dich, aber wir wollen alle lieber dass du gehst als dass du kommst.


