Ihr fragt jetzt sicher: „Was will sie uns denn jetzt wieder für einen Bären aufbinden?“.
Ich muß etwas vorgreifen, denn eins ist so nicht wahr. Ich war natürlich auch einmal woanders als in meiner Heimatstadt. Meine Eltern sind mit mir in den Ferien nämlich immer nach Holland gefahren. Also von der großen weiten Welt kenne ich Holland, besser gesagt, den kleinen Strandabschnitt von Callantsoog. Daran habe ich warme Erinnerungen, aber das kennt ihr ja sicher auch aus eurem Leben.
Aber an dem Tag, als Holland MICH besuchte, hatte ich diese leuchtenden Bilder aus meiner Kindheit nicht im Kopf. Nein, ich war mal wieder mit Gisbert beschäftigt, der am frühen Morgen dafür sorgte, dass ich böse auf die Kaninchen war. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch ein anderes Mal erzählen werde.
Der Frühnebel lag über meinem Hof und über den Feldern ringsherum. Der Wald schien zu dampfen wie mein Teekessel, den ich mit der getrockneten Sommerminze gefüllt hatte und der mich vor den Erkältungen des nahenden Herbstes schützen sollte.
Ich blickte aus dem Küchenfenster auf die Felder. Da war ein Rauschen, aber die Blätter standen still! Was war das?
Ich bin verantwortlich für meine Tiere, da kann ich mir große Ängstlichkeit nicht leisten
Ich ging hinaus, ging um den Kräutergarten herum zur Obstwiese und zum Sonnenblumenfeld, als ich aus dem Augenwinkel etwas weit über mir entdeckte. Da trieb in großer Geschwindigkeit ein großer Freiballon auf die Weide zu. Ich erkannte drei Menschen in dem Korb, die sehr hektisch Dinge aus dem Korb warfen. Ich lief dem Ballon entgegen, der sich mit großer Geschwindigkeit der Erde näherte. Der Korb landete etwas unsanft im Sonnenblumenfeld, während der Ballon etwas in sich zusammenfiel und auf die Wiese legte.
Anton wieherte aus seinem Stall, Herr Ludwig kläffte wie wild und Gisbert i-a-hte. Es war ein großes Tohuwabohu. Durch diesen Chor der Tierstimmen hörte ich Ballonfahrer aufgeregt durcheinanderrufen. Die Sprache erkannte ich doch! Es war holländisch.
Es waren drei Frauen, die schließlich aus dem Korb kletterten. Ich ging auf sie zu und begrüßte sie mit meinem kleinen Wortschatz aus Kindertagen. Zum Glück war ihnen nichts passiert, aber das hätte auch schlimm ausgehen können. Ich lud sie nach dem Schreck zu einem Tee und zum Verweilen in mein Haus ein. Annike, Gerta und Britt, so hießen meine unverhofften Besucherinnen, nahmen gerne an, aber erst nachdem sie den Ballon inspiziert hatten. Er schien zum Glück keinen größeren Schaden genommen zu haben. Anscheinend war die Gaszufuhr defekt, und ich sagte ihnen, dass wir sicher eine Lösung finden würde. Als sich die Aufregung gelegt hatte, konnten die drei auch schon wieder lachen. (Ich glaube, meine Sonnenblumen haben magische Kräfte!)

Der Nebel legte sich im Laufe dieses Septembertages und wir saßen auf der Wiese, mit einem Gläschen Rosé. Schon am nächsten Morgen hörte ich ein leises Rauschen. Ich eilte zum Fenster und sah, wie der Ballon langsam an Höhe gewann und meine neuen Freundinnen aus meinem Leben verschwanden, wie sie gekommen waren.
Aus dem blauen Dunst.

