Anton kommt heute!

Anton kommt an

Liebe Leser! Ich war schon bestimmt 20 mal draußen, um nach Motorgeräuschen zu hören. In der Ferne brummte ein Flugzeug, das war schon alles. Die Transporteure sagten mir, dass sie gegen 10 Uhr morgens hier sein werden und jetzt es 9 Uhr. Kann ein Termin nicht einmal früher stattfinden, als angekündigt?

Um mir die Zeit zu vertreiben, schreibe ich hier. Besser die Finger an der Tastatur als noch einen Tee trinken. Ich bin schon ganz aufgeregt. Denn ich bekomme heute ein Pferd! Und nicht nur irgendein Pferd, sondern das schönste Pferd der Welt!

„Wo hat sie das jetzt wieder her?“ werdet ihr fragen. Also, es war auf einem meiner ersten Erkundungsgänge, die etwas weiter in die Umgebung hinaus gingen. Ich weiß es noch wie heute: Es war ein kalter Apriltag, ich hatte gerade meine Küche neu gestrichen. Ich zog meine Stiefel und die dicke grüne Jacke an und stapfte durch meine Obstwiesen auf die freien Felder hinaus. Dahinter liegt ein Wald, der mich anzog. Doch als ich mich näherte hörte ich schon viel Geräusch. Dies rührte her von zwei Arbeitern, die mit einem Seilzug Holzstämme auf ein Gestell zogen. Etwas abseits standen zwei Pferde; zwei ganz wunderbare, wunderschöne Pferde. Diese mit den tollen Mähnen und den Fransen an den Beinen. Ich war sofort verliebt und ging auf die Tiere zu. Sie waren ganz friedlich und zahm und schauten mich mit ihren schönen ruhigen Augen an.

Ich treffe Anton im Wald

Die Forstarbeiter unterbrachen ihre Arbeit und wir kamen ins Gespräch. Ich wollte alles über diese Pferde wissen und ich lernte, dass es friesische Pferde waren, die immer schwarz sind. Dass man sie Kaltblutpferde nennt, weil sie so schwer und recht langsam, dabei genügsam und friedlich sind.

Und dann kam es! Eigentlich, so sagte einer der Forstarbeiter, würden sie nur mit einem Pferd arbeiten. Denn der eine namens Anton wäre langsam zu alt für die Arbeit, und er wäre nur noch dabei, solange das neue Pferd eingearbeitet wird.

„Und was wird dann aus Anton ?“, fragte ich etwas besorgt. Ich dachte gleich an Schlachthöfe und Abdeckereien.

Ich habe ja schon ziemlich viel Phantasie, wie ihr vielleicht bemerkt habt. Und meine schlimmen Vorstellungen hat man mit sicher auch angesehen. Jedenfalls lachten die beiden Männer ziemlich laut, als sie meine weit aufgerissenen Augen sahen. „Keine Sorge, der brave Anton bekommt sicher irgendwo ein Gnadenbrot. Allerdings haben wir bislang noch niemanden gefunden, der so einen alten Klepper haben möchte. Dabei ist er so ein Braver!“

Ich hab dann wohl ziemlich nachdenklich ausgesehen haben. Ich traute mich aber nicht, meine Gedanken auszusprechen. Zum Glück tat das dann einer der beiden Männer für mich: „Sie kennen wohl nicht zufällig jemanden mit einem Stall und einer Wiese für unseren alten Anton?“

Ich schlug sofort ein. So ein schönes Pferd, und so schöne Augen. So etwas hatte ich mir schon immer gewünscht.

Nachher wurde mir klar, dass alle in der Gegend schon von mir wussten. Dass ich den Wunschbrunnenhof nicht nur geerbt hatte, sondern ihn sogar bewohnte! Ob die beiden wohl absichtlich hier in der Gegend gearbeitet haben, mit dem alten Anton?

Ich muss Schluss machen! Ich glaube, da kommt der Pferdetransport.